Dalsland-Folkmusikfestival 2002

Letztes Wochenende war ich als Musiker beim 'Dalslands Folkmusikfestival' in Mellerud/Schweden. Dalsland ist ein Gebiet im Westen des Landes, so zu sagen auf dem Weg nach Oslo, an den Vänernsee grenzend und, so sagte man mir, ein wenig im Wald gelegen. Als Top-Acts plaziert waren Väsen, SWÅP und die Ale Möller Band. Weiters spielten Tom & Ben Paley (USA/UK), Bob Fox (UK), Orust (SWE), Hagen Boys (SWE), Ägir (SWE), Faust (SWE), Bordunverkstan (SWE), Malbrook (D/SWE), Granit (SWE), Halmstråket (SWE), Stark Lomma (SWE), Ostkreuzkombo (D), und meine Wenigkeit.

Wie man sieht ein sehr umfangreiches Programm. Daneben gab es noch ein Angebot an Workshops von Polska-Tanzen über Gitarre (mit Ian Carr), Geige, Säckpipa, Gesang, Vevlira (Drehleier; Goran Hallmarken)... . Ergänzt wurde das Ganze durch ausstellende Instrumentenbauer, eine offene Bühne, zwei Gastro-Bereiche und viel Platz für Sessions.
Das Ganze fand Platz unter Dach im Kulturzentrum und der angrenzenden Schule. Ein beneidenswert geeigneter Platz um so etwas in der kalten Jahreszeit durch zu führen, ein schöner großer Saal, unendliche Nebenräume, beste Infrastruktur. Natürlich mit gewissen Abstrichen im Ambiente, wie das halt bei zeitgenössischen Schul- und Kulturbauten zu sein hat :-(.
Das Niveau des Programmes war insgesamt beeindruckend, auch die mir namentlich unbekannten Acts, die ich hören konnte, gefielen. Alles mit zu bekommen war unmöglich, da das Programm parallel auf zwei Bühnen lief. Die zweite Bühne war allerdings etwas weit vom Schuss und hatte eher intimen Charakter, was dazu führte, dass die dort programmierten Bands teilweise auf die viel zentraler gelegene freie Bühne umdisponierten.

Besonders gefielen mir wie eigentlich meistens Malbrook, deren CD sicher nicht zufällig von Folkworld zur besten CD des Jahres 2003 gewählt wurde. Für mich aber die Entdeckung waren Bordunverkstan aus Stockholm, die mich mit ihrem druckigen und auch sehr berührenden Set bezauberten.
Dass die Top-Acts gute Qualität ablieferten, braucht eigentlich nicht erwähnt werden, wobei mich die cross-over Schiene von Ale Möller Band sicher nicht in den hohen Norden gelockt hätte, Top-Bands aus dem Bereich Mittelmeer-Anrainer-Mugge kann ich hier in Wien auch haben.

Recht eindrucksvoll waren auch die diversen Sessions, interessant der hohe anteil an Nyckelharpa-Spielern, etwa halbe halbe mit den Geigern, vieleicht sogar etwas mehr. Am Samstag nach den Konzerten gab es dann ein ausgelassenes Fest mit Tanz und wilden Sessions im örtlichen Wärdshuset, einer irisch-poppigen Disko mit Black-Jack-Tisch und den ortsüblichen unglaublichen Getränkepreisen (6 Euro für 0,3l Bier).

Bemerkenswert noch die 'Mandolinen' und 'Gitarren' aus der Werkstatt von Christer Ådin, die mit ihrer tiefen Besaitung (Kontra E), den
Einzelsaiten-Kapos und den Viertelton-Bünden nachhaltigen Einfluss auf das muskalische Geschehen nehmen.
Zu erwähnen ist schliesslich auch, dass der Tontechniker im grossen Saal es immer schaffte, einen hervorragenden Sound zu machen, keine Selbstverständlichkeit bei Festivals.
Das Festival fand in dieser Form zum ersten Mal statt. Ein wirklich gelungener Anfang, dem man eine erfolgreiche Fortsetzung wünschen kann.

Simon Wascher - Wien
http://www.simonwascher.info/