Dudelsackfestival Strakonice 2002

„Alle Schönheiten der Welt“

Internationales Dudelsackpfeifertreffen in Strakonice 2002

Dieser Artikel stammt von einem Greenhorn. Ich war dieses Jahr zum ersten Mal in Strakonice, und obendrein gleich als „direkt Beteiligte“. In meinem Bekanntenkreis befinden sich zahlreiche Personen, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten jedes Mal zum Festival fahren, und die mich mit Geschichten und Klischees versorgten. Daher war also meine Neugier groß. Würde wirklich alles so sein, wie man mir weismachen wollte?

Wir waren zu dritt bereits am Dienstag angereist, da Ralf Gehler und ich am Kolloquium teilnehmen wollten. Die Unterkunft befand sich 10 km außerhalb in Volyne in einer Art Jugendbildungsstätte, die den Charme eines DDR-Ferienlagers besaß.

Erinnerungen an frühe Studentenwohnheimzeiten werden wach
(Abb. 1: Erinnerungen an frühe Studentenwohnheimzeiten werden wach.).

Nach Protesten gelang es uns, für die nächsten Nächte im Obdachlosenheim direkt in Strakonice untergebracht zu werden. Weniger aufsässigen Musikern blieb nur die Möglichkeit, ein Bandmitglied zur Nüchternheit anzuhalten, um gegen Morgen noch zur Unterkunft zu gelangen.

Das Kolloquium war offenbar schlechter besucht als in den Vorjahren. Sprechzeiten wurden rücksichtslos überzogen, bei den Beiträgen selbst ging es meist nicht so sehr um Thesen oder neue Entdeckungen oder Erkenntnisse, sondern um die Vorstellung des bordun- oder sackpfeifenrelevanten Instrumentariums bestimmter Regionen und Länder. Die Sprachbarriere erschwerte die Verständigung, zumal die Dolmetscher sich zwar wacker schlugen, in die sehr spezielle Materie jedoch kaum Einblick hatten. Sehr spannend war der Vortrag Lubomir Tyllners, des Chefs der Ethnologie der Prager Universität, über die Entdeckung und das Abspielen einiger Walzen mit Stücken eines Bockspielers und eines Tanzmusikensembles aus Böhmen vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Hierzu gibt es eine sehr aufwendig gestaltete CD, vielleicht nicht die beste Hintergrundmusik zum Tee, aber für an historischer Bordunmusikpraxis Interessierte ein Muß und obendrein preiswert.

Irina Vesela, die das Kolloquium organisiert hatte, schloß die Veranstaltung mit einem ebenfalls begeisternden Beitrag über ein bockspielendes Original aus der Gegend von Strakonice, das bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts dort von Hunden und dem Erlös seines nach Zeugenaussagen sehr schlechten Spieles lebte.

Weiterhin interessant war Fritz Schneiders Geschichte der Sackpfeife anhand der Bildwerke des Kölner Domes, ein reich bebilderter Vortrag. Ralfs Beitrag wurde nach und nach so weit nach hinten verschoben, daß er sich entschloß, zum Wachhalten der schon arg strapazierten Zuhörer ein Solokonzert mit Stücken des Ostseeraumes zu geben. Die Reaktion war erleichtert bis begeistert, Fotoapparate wurden gezückt, Videokameras zu Einsatz gebracht.

Ralf weckt das Kolloquium vom Tisch aus wieder auf. Dass dabei ein schon kaputter Diaprojektor abstürzte, war nicht so schlimm
(Abb. 2: Ralf weckt das Kolloquium vom Tisch aus wieder auf. Dass dabei ein schon kaputter Diaprojektor abstürzte, war nicht so schlimm.)

Wer Ralfs Vortrag über den ostdeutschen Mittelalterdudelsack, das sogenannte a-Schwein, gern noch hören möchte, den verweise ich auf die Spielkurse von Bodo Schulz in der Dübener Heide vom 20.-22. September und auf Pipen un Lyren in Schwerin am ersten Novemberwochenende. Mein herzlicher Aufruf an alle, die zum Thema Borduninstrumente forschen: Meldet Euch mit außergewöhnlichen, bebilderten und mit Hörbeispielen versehenen Themen in zwei Jahren zum Kolloquium an, damit in diese an sich lobenswerte und obendrein einzigartige Veranstaltung endlich wieder etwas Leben kommt! Sicher werden dann die Zuhörerzahl und das Interesse in West- und Nordeuropa wieder steigen. Anfang nächsten Jahres soll dann obendrein endlich eine Veröffentlichung mit den diesjährigen, aber auch mit älteren Kolloquiumsbeiträgen erfolgen.

Bei übrigens blendend schönem Wetter begann dann am Donnerstag abend das Festival an sich mit einem Eröffnungsakt im Kulturhaus, einem Umzug zur Burg und einer sogenannten Kassation unter dem Bergfried im Burghof. Vielleicht einige Worte zu diesem mittlerweile im Sprachgebrauch der deutschsprachigen Teilnehmer zu „Kastration“ mutierten Begriff. Wir fanden im Fremdwörterbuch zu dieser uns bislang nur aus Strakonice bekannten Bezeichnung folgende Erklärungen: Aufhebung einer gerichtlichen Entscheidung, Rechtsbehelf gegen gerichtliche Entscheidung, Ungültigkeit von Urkunden, Aussonderung und Vernichtung von nicht mehr gebrauchten Akten, strafweise Entlassung aus dem Dienst, mehrstimmiges und vielsätziges instrumentales Ständchen des 18. Jh.

Was auch immer bei einem Dudelsacktreffen genau damit gemeint ist, rein technisch war die Kassation ein mehr oder minder kurzes Intermezzo jeder teilnehmenden Formation auf der Burghofbühne. Die Eröffnungsveranstaltung im Kulturhaus war ein ungezwungenes Beieinandersitzen aller Teilnehmer mit wenig Reden (!) und der Möglichkeit für jeden, der Lust hatte, kurz auf der Bühne, der Balustrade oder einfach im Zuschauerraum aufzuspielen. Das Ensemble um Sepp Pichler brachte die Sackpfeife überhaupt nicht zum Einsatz, sondern erfreute mit einem mehrstimmigen Jodler. Die Schotten spielten für einen schnittigen Tänzer mit angepunkter Frisur und lustig wippendem Röckchen. Die Spanier spulten in Reih und Glied und mit den todernsten Gesichtern, die sehr zu ihrer schwarzen Tracht paßten (die Damen trugen sogar alle die gleichen Ohrringe!), im Zuschauerraum gleich drei Stücke ab.

Die Spanische Banda de Gaitas de Pontevedra im Kulturhaus
(Abb.3, Die Spanische Banda de Gaitas de Pontevedra im Kulturhaus)

Das Unbewegliche der spanischen Gesichter wurde nebei bemerkt schnell sprichwörtlich. Sogar beim Umzug am Sonntag bei über dreißig Grad in der Sonne sollte die Banda aus Pontevedra in den mehrschichtigen Wolltrachten Haltung bis ins Letzte bewahren. Aus dem auf die Eröffnungsveranstaltung folgenden Umzug mußten wir uns aufgrund von Instrumentenverstimmungen und der Nichteignung der Harfe als Laufinstrument ausklinken.

Dann folgte besagte Kassation. Einen Bereich in Burgbühnennähe, in dem man die Instrumente abstellen kann, gab und gibt es nicht. Man kann sich nur mit dem Wirt im Burgkeller gutstellen und das Risiko eingehen, die Instrumente dort ihrem Schicksal zu überlassen. Neben den üblichen großen Ensemblen in Tracht und mit Tänzern und mindestens zehn Musikern wirkt man als Trio oder gar Duo schnell verloren. Clevere und strakoniceerfahrene Musiker lassen sich auf so etwas gar nicht erst ein und vereinbaren nur einen Auftritt bei „Kontrasty“, so beispielsweise das Hofgesindt aus Weimar.

Nachdem dann auch der Beitrag bei der Kassation hinter sich gebracht worden war, begab man sich zur Session in den Burgkeller, wo der völlig überforderte Wirt schon seit Dienstag die Nächte durchmachte. Am Sonnabend abend passierte dort übrigens etwas in Böhmen eigentlich unmögliches: Das Bier wurde alle. Ja, das Hochwasser... wie wohl an vielen Orten wurde es generell für vieles verantwortlich gemacht, an dem es keinerlei Schuld trug. Strakonice stand etwa zwei Wochen vor dem Festival für vierundzwanzig Stunden unter Wasser. Noch sehr beeindruckend zu beobachten war der Pegelhöchststand in Zeltplatznähe, wo sich in ungefähr einen Meter über dem Kopf des am Ufer Entlangwandernden ein Band von Müll und Zweiglein in den Bäumen befindet.

Aber zurück zum Wesentlichen. Die Nacht vom Donnerstag zum Freitag hielt einiges, was ich mir von Strakonice versprochen hatte: Bier, Session und Tanz, bis man zu betrunken war, um den bretonischen Angriff auf die Trommelfelle zu ertragen und ins Kulturhaus wechselte, um die Eingeborenen beim Feiern zu beobachten. Das war sehr, sehr schön, es wurde vor allem gesungen, und zwar nicht nur die Strakonice-Hymne, die mittlerweile jede eingeladene Gruppe als Reverenz spielte und die man bald nicht mehr aus den Ohren bekam. Vom Kulturhaus war es dann auch nicht mehr ganz so weit bis zum Obdachlosenheim. Harte Konkurrenz hatte die traditionelle Burgkeller-Session übrigens vom neuen, sehr archaischen zweiten Burgkeller direkt an der Otava hinter dem Burghof, von wo die Hailander aus den Niederlanden die ganze Nacht weithin zu hören waren.

Der Freitag war dann zumindest für uns der harte Tag. Wir absolvierten drei Auftritte, davon einer bei „Kontrasty“, wo man dann endlich fast zehn Minuten in einem wohltemperierten Raum spielen durfte. Da das Ganze mitgeschnitten wurde, war äußerste Ruhe erforderlich. Das gipfelte in folgender Begebenheit, die sich mir fest in Herz und Hirn einbrannte: Beim Auftritt der Kremsmünsterer Bock- und Leiermusik fühlte sich der wie immer an einem Tisch an der Bühnenseite sitzende Josef Rezny durch den groovenden Fuß von Rudi Lughofer gestört. Um dem abzuhelfen, stand Herr Rezny auf und trat auf den aufsässigen Körperteil. Warum er das sich ausgerechnet bei dem Kremsmünsterer Bockspieler leistete und nicht bei Sepp Pichler oder Ralf Gehler, die beide viel mehr „trampelten“, bleibt mir ein Rätsel. Immerhin wissen wir jetzt, daß bestimmte traditionelle Rhythmusinstrumente bei Kontrasty nicht verwendet werden dürfen.

Sehr beeindruckend war der Auftritt eines kleinen Teils des bulgarischen Ensembles mit einem genialen Gaidaspieler. Die Zampognari der italienischen Formation spielten ebenfalls mit großer Publikumsresonanz. Ohnehin gehörten „I Zampognari nuovo“ (oder so ähnlich) zu den Publikumslieblingen. Wahrscheinlich lag es vor allem daran, daß zu merken war, wieviel Spaß diese wie eine große Bettelmusikerfamilie wirkende Formation am Musizieren und Tanzen hatte.

Meine persönlichen Favoriten waren neben dieser Gruppe die Launeddas-Spieler und die Ungarn, die jedoch wegen persönlicher Differenzen mit dem Veranstalter am Sonnabend morgen abreisten. Auch Neil Smith mit seiner Border Pipe war wie offenbar immer dabei und machte sich gehörig lustig über die Strenge des Festivals. Vor dem Spielen deutete er mehrmals durch Gesten an, daß er um Erlaubnis bitte, eine Linie auf der Bühne zu überschreiten.

Abgeschlossen wurde die anderthalbstündige Veranstaltung von Hofgesindt mit moderner französischer Musik mit Tanzmusikwurzeln auf Drehleier und Sackpfeife. Damit war sozusagen der Bogen zu progressiverer Sackpfeifenmusik geschlagen. Wie erwähnt soll es wieder eine „Kontrasty“-CD geben, wo man die Sache auch akustisch nachvollziehen kann.

Am Abend dann wurden im Sommerkino „Alle Schönheiten der Welt“ vorgestellt. Das Motto dieses Estradenprogrammes, das ich allerdings nicht miterlebte, zeugt von erfreulichem Selbstbewußtsein in Bezug auf den Dudelsack und seine Musik. Im von uns aufgesuchten Burgkeller verlief der Abend eher ruhig, weshalb wir zwecks Kraftersparnis unser Asyl recht zeitig aufsuchten.

Der Sonnabend war dann für mich Erholungstag, wohingegen Ralf bei der Solosackpfeifershow mitzuwirken hatte. Ich persönlich finde die Idee, die verschiedenen Sackpfeifentypen nacheinander vorzustellen, gar nicht so dumm. Das Unangenehme an der Veranstaltung ist die Art und Weise, wie sie zelebriert wird, und die Nachteile, die spieltechnisch daraus erwachsen. Für alle, die es noch nicht erlebt haben: Sackpfeifespielende Angehörige verschiedener Nationalitäten begeben sich, meist in Gruppen zu vier bis fünf Personen, auf die Bühne im Burghof und sitzen dort mit Instrumenten in der warmen Nachmittagssonne, bis die Reihe an ihnen ist. Stimmen direkt vor dem Spiel ist unmöglich. Nach dem Vorspiel setzt sich der entsprechende Sackpfeifer wieder und wartet, bis alle seine Kollegen fertig sind. Erst dann dürfen alle von der Bühne gehen, und die nächste Gruppe kommt an die Reihe.

Viele Sackpfeifer bringen sich einen zweiten Musiker mit einem Begleitinstrument mit, um in ihrer Not nicht ganz allein zu sein. Moderiert wird das Ganze von zwei Menschen am rechten Bühnenrand an einem Tisch unter einem Sonnenschirm. Eine nette Idee zum Schluß: Alle gehen auf die Bühne und veranstalten gemeinsam einen Höllenlärm. Ich fand das wirklich witzig!

Am Nachmittag waren dann die „Keltischen Quellen“ im Kulturhaus an der Reihe. Ich wollte wegen Sessionaktivitäten

Der Sackpfeifer vom Hofgesindt beim Musizieren an der Otava kurz nach einem Stückeaustausch. Typisch: Die Stadtkirche im Hintergrund
(Abb.4 Der Sackpfeifer vom Hofgesindt beim Musizieren an der Otava kurz nach einem Stückeaustausch. Typisch: Die Stadtkirche im Hintergrund)

vor dem zweiten Burgkeller nicht teilnehmen, hörte jedoch, daß es so voll war, daß nicht alle Interessenten hineindurften. Die deutsche Band aus München, die irische Musik machte, war nicht angereist, daher waren wohl nur die Schotten, Bretonen und Galizier zugange.

Abends dann, um noch einen letzten Programmpunkt mit klangvollem Namen zu nennen, fand um 21 Uhr „Von weitem kamen sie, den Dudelsack trugen sie“ statt. Manchmal kam ich mir in Strakonice wie in einem Märchen vor. Wirklich.

Zum Beispiel in der wilden Nacht vom Sonnabend zum Sonntag. Nach einer Session auf der Burghofbühne traten einige Mitglieder der bretonischen Kevrenn Brest St. Mark auf den Plan. Sie bauten kurzerhand eine Anlage mit Keyboard und Sampler auf und kleideten sich in Perücken, Klamotten der Achtziger, und ein schnurrbärtiges Wesen in sehr feminine Pants und Body. Dann begann etwas, was Strakonice noch nie erlebt hat, Josef Rezny nie erfährt und was hoffentlich in Zukunft öfter passieren wird: Es wurde mit mehreren Bombarden und Highlandpipes Spätsiebziger/Achtzigerpop mit entsprechender Show geboten, und zwar musikalisch nahezu perfekt.

Bretonische Exzesse auf der nächtlichen Burghofbühne, wenn der Chef schon lange schläft
(Abb. 5: Bretonische Exzesse auf der nächtlichen Burghofbühne, wenn der Chef schon lange schläft)

Die Reaktionen des sich ansammelnden Publikums (die „Von weitem kamen sie...“ Show war gerade zu Ende) reichten von Unverständnis über schallendes Gelächter bis zu exzessiver Begeisterung.

Danach kam es im Burgkeller zu einer Art Solistenvorstellung, in deren Verlauf ich die Gelegenheit hatte, zu einer mit der Highlandpipe gespielten schwedischen Polska zu tanzen. Deutlicher kann das, was Strakonice eigentlich für die meisten sackpfeifenden Gäste ausmacht, keinen Ausdruck finden: Treffen, Austausch und gemeinsames Musizieren. Und zwei Jahre später hört man sein Repertoire dann mit großem Vergnügen aus Ecken, aus denen man es am wenigsten erwartet hätte.

Der Sonntag brachte den finalen Festumzug und uns das erste Mal, dass wir hinter einer deutschen Fahne liefen. Die Nationalfahnen wurden von tschechischen Soldaten getragen. Wie wir von unserem Träger erfuhren (der sehr gut Deutsch mit bayrischen Dialekt sprach), konnte man sich dazu freiwillig melden. Was die Bretonen, Galizier und Schotten zu den vor ihnen wehenden französischen, spanischen und großbritannischen Flaggen meinten, konnten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen. Die in der Sonne bratenden Umzugsteilnehmer wurden von Bekannten, Freunden, aber auch völlig Fremden Spalierstehenden mit Getränken versorgt.

Kaum an der Burg angekommen, mußte man ins Sommerkino eilen, dort einen kurzen Auftritt vollbringen und dann auf die Burghofbühne wechseln. Auf dem Weg zwischen beiden Veranstaltungsorten kam eine mährische Gruppe abhanden.

Ansonsten passierte am Sonntag nicht mehr viel. Einige reisten schon ab, und die österreichisch-deutsche Sessiongruppe, die sich im Laufe des Festivals gebildet hatte, suchte verzweifelt nach einem Spielort. Der Burgkellerwirt schloß um sechs Uhr abends sichtlich erleichtert die Burgkellertür ab. Er mag keine Dudelsackmusik, wie er mir zwei Abende früher gestand. Trotzdem hat er sich wacker geschlagen, und sein Lokal war der einzige Ort, wo es guten böhmischen Wein gab.

Unser Sessionortsuche endet an der vielbefahrenen Kreuzung direkt vor der Burg. Dort lauschten wir, auf den Blumenrabatten sitzend, dem unverdrossen spielenden Simon Wascher, zu dessen Füßen sich ein völlig betrunkener Punk selig zusammengerollt hatte. Mit diesem schönen Bild möchte ich meinen Bericht vom diesjährigen internationalen Dudelsackpfeifertreffen in Strakonice abschließen.

Wie üblich am Ende eines Aufsatzes, hier ein Resümee: Viele der Leute, die ich kennenzulernen oder zu treffen hoffte, waren dieses Jahr nicht da. Das mag sicher persönliche Gründe gehabt haben, ist aber ganz bestimmt auch eine Folge der Strenge und des gleichzeitig herrschenden Chaos des Festivals, die man nur einige Jahre lang erträgt. Gefallen hat es mir trotzdem in Strakonice. Das wird aber nur solange so bleiben, wie die Trachtengruppen nicht die absolute Übermacht gewinnen. Schließlich fährt man ja vor allem dorthin, um Gleichgesinnte zu treffen, mit ihnen zu musizieren und sich auszutauschen.

Ich würde mich freuen, wenn öfter Dinge wie der „bretonische Zwischenfall“ vorkommen, am besten nicht nachts und heimlich, sondern tagsüber und öffentlich auf der Bühne. Auch wäre wünschenswert, unbekannte und natürlich progressivere Bands und Gruppen einzuladen. Das soll keinesfalls heißen, daß ich möchte, daß sich Strakonice komplett in ein modernes Bordunfestival verwandelt - oder vielleicht doch...

Ein folkloristischer Typus: Das böhmische Harfenmädchen, hier in seiner generalüberholten, modernisierten und borduninstrumentenfreundlichen Spezialausgabe
(Abb.6 : Ein folkloristischer Typus: Das böhmische Harfenmädchen, hier in seiner generalüberholten, modernisierten und borduninstrumentenfreundlichen Spezialausgabe)

Dank an Ralf Gehler für die Fotos, an meine Sessionpartner und an unsere Dolmetscherin Eva, die dies sicher nie lesen wird, für ihre Freundlichkeit trotz aller Widrigkeiten und für den Glühwein!

Merit Zloch

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