Hören und Sehen 2004

Folk-Festivals, mit konzertanter Musik, Tanz, Tanzmusik und Kursen sind dicht gesät, da diskutiert man also jeden Tag mit seinem Terminkalender ... FALSCH!

Für die im Süden Deutschlands mag das zutreffen - ich hingegen wohne in Nordfriesland, kurz vor der dänischen Grenze und mich gähnt ein in der Hinsicht recht leerer Terminkalender an. Uns bietet sich - außer weiten Reisen - das, was der Flensburger Folkverein lobenswerterweise organisiert, darüber hinaus gibt es einmal im Jahr das große Tondern-Festival (http://www.tf.dk/) oder das kleine Skovlund-Festival (http://www.folkskovlund.dk/), letzteres ist von Privat organisiert und Ursache für diesen Bericht.

Ich besuchte dieses Festival im letzten Jahr, war hingerissen und schwärmte, dass man so etwas doch auch in Nordfriesland aufziehen sollte. Ein Freund, dieweil auch hingerissen, behauptete voller pessimistischer Entschiedenheit: "Das ist hier nicht möglich!" Es entspann sich eine Diskussion voller JA-ABERs - und das Ergebnis ist unser kleines Festival für geladenen Gäste (sonst hätten meine Frau und ich es allein nicht schaffen können, es waren dann am Samstag Abend ca. 100 Menschen) auf unserem Resthof in Achtrup, frei von finanziellen Interessen und offen für alle Folk-Richtungen, benannt:

Hören & Sehen Meeting - von Musikern für Musiker.
(http://www.hundspresse.de/meeting2004/)

oder: Wie man Festivals aus dem Boden stampft, wenn kein Anderer es tut ...

Wir hatten uns bekannte und unbekannte Profi- und Amateur-Musiker eingeladen. Die drei Lokalzeitungen veröffentlichten relativ große Berichte über unser Vorhaben, dieweil wir ihnen den Text dazu vorab schön aufgeschrieben hatten. Die Musiker kamen Freitag Mittag angereist aus Süddeutschland, Hamburg, Dänemark und auch aus der Region. Es wuchsen überall kleine Zeltstädte aus der Wiese und Nachbars Kühe waren erfreut über das Ende der Langeweile.

Jugendfeuerwehr und DRK hatten bereits große Festzelte aufgebaut und die Bühne war gezimmert und überdacht - später allerdings stellten wir fest, das die Musiker nur bis zur Brust sichtbar waren, sofern sie drauf bestanden, beim Vortrag zu stehen. Die Instrumentierung reichte von Tin-Whistle über Mandola, Keyboard, Gitarre, Bodhran, Traversflöte, Drehleier, frz. und schwedischen Dudelsack, Northumbrian Smallpipe, Uilleann-Pipe bis zur Highland-Pipe und es gab Kurse zu Bodhran, NSP, Traversflöte und Highland-Pipe.

Das halbe Dorf war engagiert, uns alle bis Sonntag Morgen zu ernähren, zu beleuchten und zu bedachen, als Belohnung durften sie Samstag Abend den Vorträgen der Musiker lauschen. Wir hatten sogar die moralische Unterstützung unserer Bürgermeisterin, die mit Sicherheit sogar mitten in der Nacht angerufen wurde von lärmbelästigten Nachbarn, einer dieser Nachbarn mähte aus Protest zur "Unzeit" seinen Rasen - konnte hier nur leider keiner hören ... einige hatten sich dann selbst eingeladen, damit sie den erzwungenen Schlafverlust zumindest auf unterhaltsame Art kompensieren konnten.

Das Wetter war herrlich und so wurde also von Freitag Mittag bis Sonntag Morgen fröhlich Musik gemacht, es dudelte und zirpselte aus allen Ecken unseres großen Grundstückes und es gab sogar eine Tanzanleitung für Andro, Shottish, Fröhlicher Kreis etc. Die irish/schottische Fraktion trat recht diszipliniert auf, die französische Fraktion sorgte mit leicht chaotischen Spiel für die amüsanten Aspekte nebst verknoteten Tänzerbeinen.

Sonntag Vormittag veranstalteten wir noch eine Musikalienbörse, auch mit namhaften Firmen, zu der tatsächlich eine Menge Besucher kamen, viel umgesetzt wurde und ein so schräges Instrument wie die Drehleier der unbedarften Öffentlichkeit nahegebracht werden konnte.

Alle haben dieses Festival genossen (bis auf den "Rasenmäher") und sind ein wenig glücklicher nach Hause gefahren, als sie angekommen waren - und das war für uns die Hauptsache!

Also, wir sehen uns nächstes Jahr, zum Hören & Sehen Meeting 2005!
Netteste Grüße,
Jörg Bernkopf