Tanz&Folkfest Rudolstadt 2002

Ich war dieses Jahr mal wieder in Rudolstadt und kann ein wenig berichten. Allerdings muß ich gestehen, daß ich diesmal nur wenig bordunlastige Konzerte gehört habe, die aber alle ausgesprochen toll waren.

Zunächst mal L'Occidentale de Fanfare aus Frankreich, die ein bretonisches Ensemble aus Bombarden, diatonischem Akkordeon und GHB zusammen mit Querpfeifen und Schlagwerk aus südwestfranzösischer Tradition mit Schlagzeug und einem Bigband-Bläsersatz (2 Klarinetten, drei Saxophöner, meist Bass, Tenor und Alt & Posaune und Tuba) zu einem akustisch-explosiven Konglomerat vereinigt haben...unglaublich! Solistisch glänzte vor allen Dingen die Bombarde (SO hab ich die noch NIE gehört), Posaune und Altsax.

Koukery aus Bulgarien beeindruckte neben dem Balkan-komplett-sound mit Flöte, Gajda, Pandore, Gadulka und Kaval, durch die dazugehörige Tanzgruppe. Ich gestehe: Ich bin dem 7/8 und 11/8 verfallen!

Zu La Lionetta aus Italien muß ich wohl nichts mehr schreiben, oder? Eine Mischung aus lombardischer Folklore mit Selbstgeschriebenem, ungewöhnlich instrumentiert und mit Schwung gespielt. Neben Instrumente wie Diat. Akkordeon, Flöten, Dudelsack und Gitarre treten Djembe und Tuba.

Von Hoven Droven, M.A.Numinnen, Willy DeVille, Shibusashirazu schreibe ich jetzt nix. Die haben mir zwar alle hervorragend gefallen, hatten aber nix borduniges dabei. Das gilt zwar auch für Los de abajo aus Mexiko, aber die fand ich dermaßen stark, daß ich zumindest DAS erwähnen will. RumbaSkaPunkZapataHiphop mit einem unglaublichen Groove!

Kurz erzählen will ich auch noch von Staffa aus Marburg. Irisch-Schottisch Traditionell, gut gebracht, und bei einem eingeschmuggelten mazedonischem (?) Stück konnte ich zum ersten mal Schäferpfeife und Scottish Reel Pipe im Duett hören, und das hat funktioniert!!!

Aber am Spannendsten fand ich schließlich eine Entdeckung bei Jürgen Ross: Die Hümmelchen-Zampogna. Man nehme Tonlage und Bauweise (zylindrische Bohrung etc.) eines Hümmelchens, dazu die Konstruktion einer Zampogna (zwei Melodiepfeifen und zwei Bordune in einem Stock), und heraus kommt ein tolles Instrument. Die Melodiepfeifen bieten je eine Skala von f-c im Oktavabstand, die Bordune stehen in f, ebenfalls im Oktavabstand. Der Klang ist Hümmelchengemäß sanft, aber voll (im Trubel der Instrumentenbauerstrasse ging der Klang der tieferen Melodiepfeife leider etwas unter, aber im Gegensatz zur "richtigen" Zampogna ist sie ja auch eher ein Zimmerinstrument).

Was ich schon immer sagte:
DIE ZUKUNFT GEHÖRT DEM DUDELSACK MIT ZWEI SPIELPFEIFEN! TRAUT EUCH!

Als freiwilliger Rudolstadt Korrespondent,
Patrick Goeser

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